Was wäre, wenn die Titanic nie gesunken wäre?

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Bild der Titanic

2. April 1912: Die Titanic absolviert erfolgreich ihre erste Probefahrt in Belfast Lough und erreicht nach einer Überführungsfahrt gegen Mitternacht vom 3. auf den 4. April Southampton. Am 6. April nimmt die Mehrheit der Crew ihre Arbeit auf, zwei Tage später werden Nahrungsmittel an Bord gebracht. Kapitän ist Edward John Smith. Weitere Besatzungsmitglieder, die auch schon bei der Jungfernfahrt der Olympic an Bord waren, sind unter anderem der Erste Offizier William McMaster Murdoch, Zahlmeister Hugh Walter McElroy sowie Schiffsarzt Dr. William F. N. O’Loughlin.

Zu dieser Zeit galt die Titanic gewissermaßen als Inbegriff technischer Perfektion. Sie war fortschrittlich, luxuriös und mit moderner Technik ausgestattet – obendrein war sie das größte Passagierschiff ihrer Zeit. Sie galt als Aushängeschild der Reederei White Star Line, die das Schiff mit enormem Aufwand bauen ließ und keine Kosten und Mühen scheute. Aufgrund ihrer wasserdichten Abteilungen und ihrer modernen Sicherheitskonstruktion galt die Titanic als praktisch unsinkbares Schiff – zumindest auf dem Papier.

Am 10. April verlässt die Titanic laut Titanicverein den Hafen von Southampton mit dem Ziel New York. Während der Reise legt das Schiff mehrere Zwischenstopps ein, darunter in Cherbourg (Frankreich), wo weitere Passagiere einsteigen und andere von Bord gehen. Am 11. April folgt in Queenstown in Irland ein weiterer Zwischenstopp. Anschließend setzt die Titanic, das „unsinkbare Schiff“, ihre Jungfernfahrt nach New York fort. Noch ahnt niemand der rund 2.200 Menschen an Bord, dass es nur kurze Zeit später zur wohl bekanntesten Schiffskatastrophe der Welt kommen wird, bei der lediglich ein Bruchteil der Passagiere und Besatzungsmitglieder überlebt.

Die Nacht, die alles veränderte

Am 14. April befindet sich die Titanic noch immer mitten auf dem Atlantik mit Kurs auf New York. Schon tagsüber soll die Crew mehrere Warnungen vor Eisbergen erhalten haben, ehe das Schiff gegen 21:30 Uhr die Eiszone erreichte. Gegen 22 Uhr erfolgte die Wachübergabe vom Zweiten Offizier Lightoller an den Ersten Offizier Murdoch, der die Information erhielt, dass das Schiff sich jetzt im Eisgebiet befand. Zuvor hatten die Matrosen den Auftrag erhalten, besonders aufmerksam nach Eisbergen Ausschau zu halten. Allerdings taten sie dies ohne Ferngläser und ohne Suchscheinwerfer, die bei der Kriegsmarine bereits üblich waren, nicht jedoch an Bord der Titanic.

„Eisberg, direkt voraus“ – um 23:40 Uhr sah der im Ausguck sitzende Matrose Frederick Fleet den Eisberg nur knapp 500 Meter von der Titanic entfernt, griff zum Telefon und schlug dreimal die Alarmglocke. Da das Schiff trotz der Eisbergwarnungen mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war, ließ sich die Kollision nicht mehr verhindern. Zwar schaffte es der Erste Offizier Murdoch noch, durch ein Ausweichmanöver eine Frontalkollision zu vermeiden, doch streifte die Titanic den Eisberg mit ihrer Steuerbordseite. Dabei entstand kein meterlanges durchgehendes Leck, sondern zahlreiche kleinere Öffnungen, die sich über die ersten sechs Abteilungen verteilten. Ironischerweise maßen die Lecks zusammen ungefähr nur einen Quadratmeter, was nicht viel mehr Fläche als eine aufgeschlagene Zeitung entspricht.

Wie ARD Alpha berichtet, wäre das Schiff vielleicht gar nicht untergegangen, wenn es den Eisberg frontal getroffen hätte. Diese Meinung vertreten zumindest einige Wissenschaftler*innen. Demnach wären möglicherweise nur ein bis zwei Segmente mit Wasser vollgelaufen und die Titanic hätte sich dennoch über Wasser halten können. Allerdings muss man auch sagen, dass eine Frontalkollision vermutlich zahlreiche Todesopfer gefordert hätte und dem menschlichen Instinkt widerspricht. Wohl jeder hätte noch versucht, dem Eisberg irgendwie auszuweichen.

Danach geschah das Undenkbare, das viele für unmöglich hielten: Die Titanic begann laut Angaben des Deutschen Schifffahrtsmuseums gegen 0:05 Uhr im eiskalten Atlantik etwa 300 Seemeilen vor Neufundland zu sinken. Wie Augenzeugen und Überlebende der Katastrophe berichten, gab es jedoch kein krachendes Geräusch. Keinen Lärm. Lediglich die Maschinen stoppten, als die Titanic scheinbar friedlich auf der Wasseroberfläche liegen blieb. Die Ruhe vor dem Sturm. Denn die Titanic ist leckgeschlagen, die Segmente werden mit Wasser geflutet. Der Bug beginnt zu sinken, überall dringen Wassermassen durch Bullaugen, Ladeluken und Lüftungsschächte ins Schiffsinnere.

Ingenieur Andrews, der die Schäden begutachtet, kommt zu dem Schluss, dass die Titanic nicht mehr zu retten ist und unweigerlich sinken wird. Wie dramatisch dieser Moment gewesen sein könnte und wie die Gespräche zwischen ihm und Captain Smith ausgesehen haben könnten, können wir uns dank der Blockbuster-Verfilmung von James Cameron ziemlich gut ausmalen. An dieser Stelle verlinke ich gerne die legendäre Szene aus dem Film, in der Andrews erklärt, dass die Titanic unausweichlich im Meer versinken wird:

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Um 0:27 Uhr funkt die Titanic ihren ersten Notruf – auf den keine zehn Minuten später die Carpathia reagiert. Doch sie ist zu weit entfernt, um die Titanic noch vor der drohenden Katastrophe erreichen zu können.

Etwa gegen 0:40 Uhr wird das erste Rettungsboot zu Wasser gelassen; den letzten Notruf empfängt die Virginian, die der Titanic zu Hilfe eilt, gegen 2:12 Uhr. Um 2:20 Uhr Ortszeit versinkt schließlich auch das Heck der Titanic im Atlantik. Mit dem damals größten Passagierschiff der Welt wurden rund 1.500 Menschen in den Tod gerissen. Lediglich rund 700 Personen überlebten die Katastrophe.

Es folgten unzählige Untersuchungen und Aufklärungsversuche. So bildete der US-Senat einen Sonderuntersuchungsausschuss, der insgesamt 82 Zeugen bis zum 28. Mai 1912 anhörte. Sie berichteten über Eiswarnungen, eine zu geringe Anzahl verfügbarer Rettungsbootplätze, die Geschwindigkeit des Schiffs sowie über die unterschiedliche Behandlung der verschiedenen Passagierklassen.

Zu den zentralen Kritikpunkten nach dem Untergang gehörte die Entscheidung, trotz der Eiswarnungen mit hoher Geschwindigkeit weiterzufahren. Kapitän Edward John Smith hatte mehrere Warnungen erhalten, ohne die Geschwindigkeit der Titanic deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig wäre es zu einfach, ihm allein die Hauptschuld an der Katastrophe zuzuschreiben. Die britische Untersuchung kam damals sogar zu dem Schluss, dass Smith mit seiner Fahrweise einer zu dieser Zeit üblichen Praxis gefolgt war. Die häufig wiederholte Behauptung, er habe mit der Titanic unbedingt einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen wollen, gilt ebenfalls als nicht belegt. Fest steht jedoch: Eine deutlich niedrigere Geschwindigkeit hätte mehr Zeit zum Reagieren gelassen und die Chancen erhöht, eine Kollision zu vermeiden.

Nach dem Untergang der Titanic zog die Schifffahrt Lehren aus der Katastrophe. Es wurden neue Sicherheitsregeln eingeführt, die teilweise bis heute Bestand haben. Dazu gehört die „SOLAS“, die „International Convention for the Safety of Life at Sea“. Ihre erste Fassung wurde 1914 als Reaktion auf die Titanic-Katastrophe verabschiedet; seitdem wurde das Regelwerk mehrfach erneuert und fortlaufend an technische Entwicklungen angepasst. Heute ist darin unter anderem geregelt, dass neu an Bord gekommene Passagiere auf Passagierschiffen vor dem Auslaufen oder unmittelbar danach an einer Sicherheitsübung teilnehmen müssen.

Eine weitere Lehre aus der Katastrophe war die Gefahr von Eisbergen, sodass eine internationale Eispatrouille ins Leben gerufen wurde. Da auch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen zum Tod vieler Passagiere und Besatzungsmitglieder beitrugen, wurden die Vorschriften für Rettungsmittel, Notfallabläufe und die Funkkommunikation in der Folge deutlich verschärft. Heute gehören unter anderem klar geregelte Flucht- und Rettungswege, eine ausreichende Zahl an Rettungsmitteln und verbindliche Notfallverfahren zu den Sicherheitsstandards der Schifffahrt.

Das Wrack der Titanic wird erst am 1. September 1985 dank moderner Technik von einem amerikanisch-französischen Forscherteam auf dem Meeresboden aufgespürt. Mittlerweile werden die Überreste des Schiffs durch Mikroorganismen zersetzt. Auch wenn von der Titanic irgendwann nicht mehr viel übrig sein wird, hat sich ihr Untergang über viele Generationen hinweg ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Nicht umsonst gibt es unzählige Filme, Bücher und Dokumentationen, die sich mit dem Untergang des Stahlgiganten befassen.

Doch was wäre passiert, wenn dieser spektakuläre, ja dramatische Untergang niemals eingetreten wäre? Was wäre passiert, wenn die Titanic den Eisberg verfehlt hätte oder niemals auf einen getroffen wäre – und ihre Jungfernfahrt tatsächlich in New York geendet hätte?

Wenn die Titanic New York erreicht und zum Triumph geworden wäre

Wer heute mit Blick auf die Vergangenheit auf die Titanic schaut, verbindet das Luxusschiff vor allem mit tragischem Heldenmut, Selbstüberschätzung und einer vermeidbaren Schiffskatastrophe. Wäre das Luxusschiff hingegen sicher in New York angekommen, würde man vermutlich das komplette Gegenteil damit verbinden: technischen Fortschritt, Luxus, Größe und das Vertrauen in die für damalige Verhältnisse moderne Ingenieurskunst.

Fest steht, dass die Titanic ursprünglich am 17. April 1912 in New York eingetroffen wäre. Laut Angaben des Maritime Museum of the Atlantic hätte das Schiff vermutlich am Pier 59 am Hudson River anlegen sollen. Möglicherweise hoffte man an Bord sogar auf eine frühere Ankunft. Bei der „Was wäre, wenn?“-Frage lässt sich aber Folgendes festhalten: Die Titanic wäre voraussichtlich am Morgen des 17. April in New York eingelaufen – vermutlich begrüßt von zahlreichen Schaulustigen, Angehörigen und Pressevertretern. Denn es wären ungewöhnlich viele Prominente von Bord gegangen – darunter John Jacob Astor IV, Benjamin Guggenheim, Isidor und Ida Straus, Präsident Tafts Militärberater Archibald Butt sowie weitere Mitglieder der Oberschicht.

Welche Schlagzeilen hätte die Ankunft der Titanic mit sich gebracht?

Die Ankunft der Titanic hätte eine ganze Bandbreite an Schlagzeilen mit sich gebracht. Sicherlich hätten sich Zeitungen förmlich überschlagen, um über die triumphale Ankunft der Titanic zu berichten. Gut vorstellbar also, dass die Schlagzeilen folgendermaßen ausgesehen hätten:

„Titanic erreicht New York – größter Liner der Welt vollendet Jungfernfahrt“

„Triumph der Technik: Titanic sicher in New York eingelaufen“

„White Stars neuer Ozeanriese bezwingt den Atlantik und legt in New York an“

Mit der Ankunft der Titanic wäre die Berichterstattung vermutlich noch lange nicht vorbei gewesen. Schließlich hätte sie spätestens nach einigen Wochen weitere Atlantikfahrten zwischen Europa und Nordamerika angetreten. Gut möglich also, dass die spektakuläre Jungfernfahrt irgendwann sogar in Vergessenheit geraten beziehungsweise aus dem medialen Blickfeld verschwunden wäre.

Wäre die Titanic überhaupt zum Mythos geworden?

Eine weitere spannende Frage liegt darin, ob die Titanic überhaupt zum Mythos geworden wäre. Und die Antwort lautet: Wahrscheinlich nicht so, wie wir sie heute kennen. Das Schwesterschiff Olympic zeigt ziemlich gut, was möglicherweise mit ihr passiert wäre. Die Olympic hatte eine lange und bemerkenswerte Karriere, fuhr viele Jahre über den Atlantik, diente im Ersten Weltkrieg als Truppentransporter und wurde schließlich in den 1930er-Jahren außer Dienst gestellt und abgewrackt. Sie ist historisch durchaus interessant, nimmt aber keinen annähernd so großen Platz im kollektiven Gedächtnis ein wie die Titanic.

Und was ist mit dem Mythos der „Unsinkbarkeit“? Hätte die Titanic ihre Jungfernfahrt erfolgreich absolviert, wäre das Vertrauen in das Luxusschiff vermutlich sehr stark gewesen. Daher kann angenommen werden, dass der Ruf der Titanic als „praktisch unsinkbares“ Schiff zunächst weiter Bestand gehabt hätte, sicherlich aber nicht Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in dieser Form überdauert hätte. Denn in Summe wäre die Titanic womöglich als besonders sicheres Schiff in die Geschichte eingegangen, aber nicht als eines der berühmtesten Passagierschiffe der Welt, wie sie heutzutage in den Geschichtsbüchern vermerkt ist.

Was wäre aus der Titanic selbst geworden?

Nach einer erfolgreichen Jungfernfahrt hätte die Titanic weitere Atlantiküberquerungen zwischen Europa und Nordamerika angetreten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914–1918) hätte sich die Rolle der Titanic vielleicht sogar geändert. Schauen wir uns dazu einen Vergleich mit der Olympic an: Sie wurde 1915 von der britischen Admiralität requiriert und als Truppentransporter eingesetzt. Erst nach dem Krieg kehrte das bis 1935 im Dienst stehende Schiff zu seinen zivilen Aufgaben zurück. Es ist also gut möglich, dass auch die Titanic für militärische Zwecke genutzt worden wäre – womit sie zwar zunächst den Eisberg überlebt hätte, aber keinesfalls zwangsläufig auch den Ersten Weltkrieg. Es hätte jederzeit passieren können, dass sie während des Krieges durch eine Mine, ein U-Boot oder andere Waffen beschädigt oder sogar versenkt worden wäre.

Falls dieser Fall nicht eingetreten wäre und die Titanic den Krieg überlebt hätte, wäre sie vermutlich irgendwann wirtschaftlich überholt, außer Dienst gestellt und abgewrackt worden. Schlussendlich wäre aus dem luxuriösen Passagierschiff womöglich nicht mehr als Altmetall übrig geblieben.

Welche Folgen die Ankunft der Titanic in der Schifffahrt gehabt hätte

Das Ausbleiben der Katastrophe hätte vermutlich auch die Entwicklung der Schifffahrt verändert. Fraglich ist beispielsweise, ob es die erste „SOLAS“-Konvention von 1914 ohne den Titanic-Untergang zu diesem Zeitpunkt überhaupt gegeben hätte. Das internationale Regelwerk für die Sicherheit von Schiffen wäre wahrscheinlich erst später oder möglicherweise in anderer Form eingeführt worden. Auch der International Ice Patrol, der unmittelbar auf die Katastrophe zurückzuführen ist, wäre wahrscheinlich später entstanden. Selbst strengere Regeln für die Funkkommunikation auf Schiffen wären womöglich erst durch ein anderes Unglück vorangetrieben worden. Insgesamt lässt sich feststellen: Ohne den Untergang der Titanic wären zentrale Reformen der internationalen Schiffssicherheit vermutlich später oder durch ein anderes Unglück angestoßen worden.

Wäre der Blockbuster-Film „Titanic“ überhaupt gedreht worden?

Den Film von 1997, wie wir ihn kennen, hätte es ohne den Untergang praktisch sicher nicht gegeben. Schließlich basiert der Film auf der Katastrophe. James Cameron ließ für die Produktion sogar das echte Wrack der Titanic filmen und verwendete entsprechende Aufnahmen. Ohne den Untergang der Titanic wäre die Motivation für diesen Film schlichtweg nicht da gewesen. Vielleicht hätte es irgendwann Dokumentar- oder Historienfilme über den Ozeanriesen gegeben. Jedoch ganz sicher ohne Jack, Rose und die dramatischen letzten Momente, ehe die Titanic im Atlantik versank.

Fazit: Das Fortbestehen der Titanic hätte viel verändert

Wäre die Titanic wie geplant in New York angekommen, hätte sich weit mehr als nur die Popkultur geändert. Das Schiff wäre vermutlich berühmt, aber kein Mythos geworden. Diejenigen, die sich nicht für Schiffe interessierten oder damals nur eingeschränkten Zugang zu Medien hatten, hätten vielleicht ihr gesamtes Leben lang nie von der Titanic gehört.

Das Schiff selbst hätte auf die eine oder andere Weise weitergelebt. Die Menschen, die bei der Katastrophe tatsächlich starben, darunter zahlreiche Prominente, hätten ihre Biografien fortsetzen und möglicherweise alt werden können. Auch die maritime Sicherheit hätte sich anders entwickelt, als sie es nach dem Untergang der Titanic getan hat. Vielleicht wurde die Titanic gerade dadurch unsterblich, dass sie unterging.

Bildnachweise:

1 Beitragsbild: David_Do auf pixabay.com

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